Raider wird Twix – und E. wird Elliot?

Kann man deadnaming, das heisst die Erwähnung des alten Namens einer trans Person, mit der Umbenennung eines klebrigen Knusperriegels vergleichen? Natürlich nicht...

Henry Hohmann ist Transaktivist und setzt sich seit über 10 Jahren für die Rechte von trans Menschen ein. Von 2010 bis 2018 war er Präsident bzw. Co-Präsident von Transgender Network Switzerland.

Kann man deadnaming, das heisst die Erwähnung des alten Namens einer trans Person, mit der Umbenennung eines klebrigen Knusperriegels vergleichen? Natürlich nicht. 

Wenn nämlich über das Coming-out und die Transition von trans Menschen geschrieben wird, scheint es ein unvermeidliches Schema zu geben: «Alter Name» heisst jetzt «neuer Name» und bezeichnet sich fortan als transgender (oder: trans, trans Mann, Frau, nicht binäre Person etc). So war es immer schon: Einar heisst jetzt Lili (Elbe), Bruce heisst jetzt Caitlyn – und auch bei weniger prominenten Personen war das so. Als wollten die Medien dem verstörten Publikum klar machen: Eine Person ist in ihrem «neuen» Geschlecht zu einer anderen geworden. Genau das stimmt aber gar nicht, eigentlich ist die Person jetzt auch nach aussen sie selbst geworden. 

So war es auch bei Elliot Page, bekannt aus dem Film «Juno» oder von «The Umbrella Academy» auf Netflix. Während die englischsprachigen Zeitungen nur den neuen Namen verbreiteten, brachten praktisch alle deutsch- und französischsprachigen Tageszeitungen in der Meldung den alten Namen unter und bestätigten das typische «Vorher-Nachher-Bild» von trans Menschen. Erst nach zahlreichen Beschwerden schwenkten viele um und diskutierten das Thema noch einmal vertiefter. Es scheint, als seien wir auch hier an einem Wendepunkt – und das ist gut so. 

Warum aber ist es so wichtig, den alten Namen nach dem Coming-out einer trans Person zu vergessen? Zunächst ist es ganz einfach eine Frage des Respekts vor der Entscheidung der Person. Wer will von aussen beurteilen, ob Elliot nicht schon immer Elliot war, aber sein Leben lang eine Frau mimen musste – weil das nun mal das ihm zugeordnete Geschlecht war? Wir alle wissen doch eigentlich, dass das, was wir in unserer cis- und hetero-dominierten Gesellschaft zu sehen glauben, nicht unbedingt die Wahrheit ist. Und je eher und konsequenter wir die Person als diejenige ansehen, die sie wirklich ist, umso unspektakulärer und geläufiger wird es irgendwann sein, ein Coming-out zu haben. Denn wie Studien immer wieder belegen, ist die Angst vor dem Coming-out und den ungewissen gesellschaftlichen Konsequenzen bei trans Personen nach wie vor riesig. Raider wurde 1991 zu Twix, aber Elliot war immer schon Elliot.

 

Text: Henry Hohmann