Fakten und Fachexpertise statt populistischer Polemik: Nationalrat setzt bei Gesundheitsversorgung von trans Personen auf fundierte Sachpolitik
Endlich eine solide Faktenbasis, um die Versorgungsqualität von trans Jugendlichen in der Schweiz systematisch zu evaluieren und zu optimieren. Das forderte das Postulat von Kinderchirurgin und Nationalrätin Bettina Balmer (FDP). Eine beeindruckende Mehrheit (123 zu 62) im Nationalrat gab heute ihr Ja dazu und liefert damit die notwendige Grundlage für eine umfassende Aufarbeitung der Datenlage durch Expert:innen. LGBTIQ+Dachverbände, Expert:innen und Schweizer Jugendorganisationen begrüssen diese dringend nötige Versachlichung der Debatte und das deutliche Bekenntnis zu inhaltlicher Fachexpertise.
Es sollte selbstverständlich sein, dass Angriffe auf Kinderrechte, Behandlungsverbote für einzelne Bevölkerungsgruppen und willkürliche Einschränkungen der ärztlichen Behandlungsfreiheit in der Schweiz politisch chancenlos sind. In den letzten fünf Jahren verlangten drei verschiedene Motionen im Nationalrat und Vorstösse in mindestens sechs Kantonen pauschale Behandlungsverbote für Jugendliche und teils auch erwachsene trans Personen, ohne jegliche juristische, ethische oder medizinische Grundlage und im klaren Widerspruch zu Empfehlungen der Nationalen Ethikkommission, anerkannten Behandlungsrichtlinien und fachlicher Expertise.
Umso erfreulicher, dass sich heute ein Grossteil des Nationalrats dem Postulat der FDP-Nationalrätin und Kinderchirurgin Bettina Balmer angeschlossen und damit für eine sachliche und gründliche schweizweite Aufarbeitung der aktuellen Versorgungslage entschieden hat.
«Unaufgeregte Sachpolitik bedarf einer soliden wissenschaftlich basierten Faktenlage. Das ist das Mindeste, was wir als Gesetzgeber als Entscheidungsgrundlage benötigen», so Balmer.
Die LGBTIQ+ Dachverbände begrüssen diesen Entscheid einhellig.
«Entscheidungen über eine sichere und gleichberechtigte Gesundheitsversorgung gehören in die Hände von Expert:innen, nicht in die Kommentarspalten. Wir freuen uns, dass dieser Grundsatz in der Schweiz eine politische Mehrheit hat», so Jann Kraus, Vorstandsmitglied von Transgender Network Switzerland.
Alessandra Widmer, Co-Geschäftsführerin der Lesbenorganisation Schweiz (LOS) fügt hinzu: «Trans Jugendliche benötigen im Gesundheitsbereich gezielte und besonders sorgfältige Unterstützung. Uns ist es ein wichtiges Anliegen, dass sie und ihre Familien die bestmögliche Behandlung und Begleitung erhalten. Wir begrüssen, dass dies nun auch seitens der Politik ernst genommen und die Qualität der Angebote systematisch geprüft wird.
Daniel Furter, Geschäftsleiter Pink Cross, hält fest: «Es ist höchste Zeit, den ständigen haltlosen Unterstellungen gegenüber Fachpersonen, Behörden und Betroffenen Fakten entgegenzusetzen. Gut, dass dies jetzt mit so breiter Unterstützung angegangen wird und damit die Diskussion wieder auf eine vernünftige Basis gestellt wird!»