Murder Music: Verstanden wird nur die harte Tour
Mittwoch, 5. November 2008

Die Schweizerische Schwulenorganisation PINK CROSS sieht die Hass-  und Gewalttendenzen in vielen Musik-Szenen mit grosser Besorgnis.

Dass Schwule und Lesben hinhalten müssen, damit sich Musiker und Publikum starkfühlen und aufgeilen können, fördert Hass und Ablehnung und Gewalt.

 

Auftritts-Verbote sind in unserern Augen nicht die optimale Politik. Grundsätzlich bevorzugt PINK CROSS Senisbilisierungsarbeit mit dem Publikum oder der Fan-Gemeinde. Wir staunen aber über die Unsensibilität, mit welcher Veranstalter oftmals heikle Musiker veranstalten und mit welcher Selbstverständlichkeit der Wunsch einer Fan-Gemeinde, einen Musiker zu hören, höher gewertet wird als das Recht auf ein unversehrtes Leben von Lesben und Schwulen.


PINK CROSS bedauert, dass die Verunmöglichung von Konzerten die einzige Sprache ist, welche nachhaltige Wirkung auf das Bewusstsein von Künstlern und Veranstaltern hat. Im Bezug auf die jamaikanische Dance-hall-Scene sind alle Fortschritte, die erreicht wurden, auf lokale und weltweite Boykott-Bewegungen, allen voran die Stop-Murder-Music-Kampagne, zurückzuführen. Sie haben namentlich dazu geführt, dass Dance-hall-Musiker den Reggae Compassionate-Act unterzeichnet haben, in welchem sie sich zur Rückkehr zu den ursprünglichen Werten des Reggaes bekennen: One love, Respekt vor der Individualität, Nichtdiskriminierung. Bedauerlicherweise erweist sich das Bekenntnis doch vor alem als Papier.

Im Bezug auf die Schweiz wird PINK CROSS sich um eine bessere Verständigung mit den Veranstaltern bemühen. Ziel gemeinsamer Anstrengungen muss es sein,

  • in der Schweizer Fangemeinde das eine les-bi-gay-friendly Grundstimmung zu fördern
  • die Ungeheuerlichkeit von Homophobie als Stimmungsmittel bewusst zu machen
  • die Musiker auf die Einhaltung ihrer Zusagen zu verpflichten
  • sie an ihre Verantwortung für die Lebensumstände von Lesben und Schwulen zu erinnern.


Schweizer Anbieter und Verbreiter von Hasssongs gegen Lesben und Schwule sowie Veranstalter von Konzerten mit solchen Inhalten wird PINK CROSS strafrechtlich belangen. PINK CROSS zählt hier auf die Mithilfe von Insidern und namentlich die Informationen von Stop Murder Music Bern.

PINK CROSS ist sich im Übrigen bewusst, dass es andere Musikrichtungen gibt, welche unbehelligt auf der Homophobie-Welle reitet. Homophobie ist in unserer Gesellschaft so vielgestaltig und weitverbreitet, dass sich PINK CROSS aus Kapazitätsgründen auf eine Zahl von Hauptschienen konzentrieren muss - zu denen auch Reggae nicht zählen kann.

Grundsätzlich fordert PINK CROSS.

  • ein stärkeres Bewusstsein von Staat und Politik für die Diskriminerung aufgrund der sexuellen Orientierung
  • Programme gegen Homophobie, namentlich in Schulen, Jugendszenen und Arbeitswelt
  • Einen gesetzlichen Diskriminierungsschutz, nicht zur Bestrafung, sondern zum Abbau von Homophobie und Vermeidung von Diskriminierung.


Capleton-Konzerte in Basel und Lausanne

Kaserne Basel sagt das Konzert des jamaikanischen Dance-hall-Musikers Capleton ab, nachdem ein Video vorliegt, das den Künstler mit neuen homophoben Aussagen zeigt. Gestützt auf dieses Video verlangt PINK CROSS nun auch die Absage des Konzerts in Lausanne.

 

Die Kaserne hatte den wegen homophoben Hass- und Gewaltsongs umstrittenen Musiker für den 6. November programmiert, weil er den Reggae-Compassionate-Act (RCA) unterzeichnet hat. Capleton zeichnet für insgesamt 22 Hasssongs gegen Schwule.

 

Dass die Kaserne das Konzert nun abgesagt hat, liegt an einem YouTube-Video, welches Stop Murder Music Bern und die Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel HABS vorgelegt haben. Es zeigt Capleton im Dezember 2007, nach Unterzeichnung des RCA, bei einer homophoben Bühneneinlage in Jamaika, d.h. bei einem Vertragsbruch. An dem von den HABS am Montag (3. November) veranstalteten Podium hatten die Vertretungen der Kaserne sowie der Basler Behörden klar gesagt, dass das Konzert nicht stattfinden werde, falls sich die Videos nach eigener Prüfung als glaubwürdig erwiesen.

 

Für Samstag. 8. November ist Capleton auch im Rahmen des Métropop-Festivals in Lausanne angesagt.  PINK CROSS fordert die Verantwortlichen in einem offenen Brief auf, diesen Auftritt gestützt auf die neuen Facts ebenfalls abzusagen.

 

Material (bereitgestellt von Stop Murder Music Bern)

 

http://www.youtube.com/watch?v=6fgiG2oz7ac

http://www.stopmurdermusic.ch/reitschule/stopmurdermusic/Texte/CapletonbreaksRCA-Video.pdf