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Neues Recht für neue Familienformen Drucken E-Mail
Mittwoch, 19. November 2008

Die Tagung Regenbogen-Familien vom 27. September 2008 von PINK CROSS und LOS war ein Erfolg: 80 TeilnehmerInnen, spannende Fachreferate und Workshops, die zeigten, welche Aufgaben anstehen.

 

Das grosse Kunststück der Tagung brachte wohl die lesbische Gynäkologin und Co-Mutter Nathalie Senn zu Stande: Ihrem Referat über die biologischen Realitäten, die beachten muss, wer Kinder kriegen will, folgten auch die Männer gespannt. Grundsätzlich brachte die Tagung, elegant moderiert von Marianne Dahinden (Wybernet), im ersten Teil Sachinformationen über die gesellschaftlich-politische Situation, über biologische Facts, über Do-it-yourself zum Kinderkriegen und über die Rechtslage und wünschbare Verbesserungen. Ergänzt wurde der Sachteil durch Erfahrungsberichte von Lesben und Schwulen mit Kindern. Neben Nathalie und ihrer Partnerin Eva Gänslin berichteten auch Mitchel und Martin della Valle, ein schweizerisch-amerikanisches Paar, das in den USA ein Kind adoptiert hat.


Hausaufgaben erhielten die lesbischwulen Organisationen dann von den Workshops, sozusagen für drei Fächer:

  • Vernetzung
  • Information
  • Politik

 

Vernetzung

Schaffung einer Internet-Platform, wo sich Männer und Frauen mit Kinderwunsch kennen lernen können und wo sich Eltern und Leute, die es werden möchten über ihre Vorstellungen, Fragen und Erfahrungen austauschen können.

 

Information

Die Informationen zu rechtlichen, medizinischen und allenfalls sozialen Fragen zusammentragen und zugänglich machen. Einerseits sollten solche Informationen auf Internet zugänglich sein, wünschenswert wäre aber auch eine Publikation.

Ergänzend sollte eine Liste von lesbigay-friendly medizinischen und juristischen Fachleuten zur Verfügung gestellt werden.

 

Politik

Auf rechtlicher Seite sollte auf zwei Schienen gefahren werden.

  • Die Stärkung der sozialen Elternschaften: die rechtliche Beziehung zwischen Co-Eltern und Stiefkind soll gestärkt werden, namentlich um Stiefkinder besser abzusichern, aber auch um die Rechte und Pflichten von Co-Eltern zu stärken. Zu überlegen ist auch die Schaffung von neuen rechtlichen Formen von Familien- und Elterngemeinschaften mit drei und mehr Erwachsenen.

Alle diese Fragen sollten zusammen mit anderen gesellschaftlichen Gruppierungen angegangen werden.

  • Neuregelungen zur rechtlichen Elternschaft: Hier geht es um die Streichung des Adoptionsverbotes und des Ausschlusses von der medizinisch unterstützen Befruchtung aus dem Partnerschaftsgesetz. Diretissima wäre natürlich die Aufhebung des Partnerschaftsgesetzes zu Gunsten einer Öffnung der Ehe. Anpassungen braucht es aber auch im allgemeinen Recht. Gefordert wird der Zugang aller Frauen (und nicht nur der verheirateten) zu den Methoden der medizinisch unterstützten Fortpflanzung sowie ein eine Neuregelung der Stiefkindadoption. Das heutige Recht erlaubt Stiefkindadoptionen nur innerhalb der Ehe. Auch hier müssen Verbündete gesucht werden.

 

Wie weiter

Für den Bereich Vernetzung gibt es schon aktive Gruppierungen. Bei der LOS ist es die Fachgruppe Lesben mit Kindern, bei der HAZ das Familiyproject, welche eine Internet-Plattform in Angriff genommen hat. In Genf gibts eine Gruppe Homoparents. Ein Treffen mit LOS, PINK CROSS, HAZ und Familiy-Project soll Ende November die Möglichkeit der Zusammenarbeit klären.


Im Anschluss möchte die Fachgruppe Politik die Politik-Interessierten zu einem Treffen einladen. Ob die drei oben genannten Bereiche Information, Vernetzung und Politik und einem Dach oder besser von verschiedenen Gruppierungen bearbeitet werden sollen, ist noch nicht ausdiskutiert.


Für den Bereich Politik ist klar, dass Wege gewählt werden müssen, welche das Ziel im Auge haben, zugleich aber gesellschaftsverträgliche Etappenziele ansteuern. Andernfalls droht das politische Abseits.


Moël Volken

 

 
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