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Aids - was geht uns das an? Version imprimable Suggérer par mail
29-11-2011

Immer am 1. Dezember und dies seit 1988, wird der Welt-Aids-Tag begangen. In den Städten stehen Stände und an den Revers hängen die roten Solidaritäts-Schleifen. Doch: Was geht uns Schwule Aids an? Es gibt doch in der Zwischenzeit gute Therapien, welche eine HIV-Erkrankung zwar nicht heilen, aber doch kontrollieren können. Aids, so wie wir es aus den 80er Jahren kannten, gibt es nicht mehr.

 

In den letzten Tagen waren die Medien voll von Rückblenden auf das Leben von Freddie Mercury, dem Sänger der Band Queen, der am 24. November 1991, also vor 20 Jahren starb. In der Schweiz erinnern sich die älteren, vielleicht noch an den Fernsehjournalisten Andre Ratti, dem ersten Präsidenten der Aidshilfe Schweiz, der ein paar Jahre zuvor, am 2. Juni 1985 an die Öffentlichkeit trat und sagte: „Ich heisse André Ratti, ich bin 50, homosexuell, und ich habe Aids.“ Knapp anderthalb Jahre später, am 25. Oktober 1986 starb er. Oder an die Tagesschau vom 3. Februar 1987, als sich der (schwule) Moderator Charles Clerc einen Pariser über die Finger stülpte.

 

Und heute: Da sind Armin, Beat, Claudia oder wie sie alle heissen. Sie sind HIV-positiv aber niemand von ihnen hat Aids. War beim „Bums“ ein „Dings“ spätestens seit die Übertragungswege der Krankheit bekannt waren Pflicht, ist die Pariser-Müdigkeit in der Schwulen Szene seit einiger Zeit nicht zu übersehen. Aids hat viel von seinem Schrecken eingebüsst. Die einen Rauchen und gefährden damit ihre Gesundheit, die andern foutieren sich um Safer Sex und gefährden damit ihre Gesundheit. Wo ist der Unterschied? Der Unterschied liegt darin, dass Krebs als Folge des Nikotin-Konsums häufig schlechter zu bekämpfen ist als eine HIV-Infektion. Die Diagnose „Krebs“ bedeutet heute das höhere Todesrisiko als die Diagnose „HIV positiv“. Weshalb denn noch HIV-Prävention, sagen sich viele. Unsafe Sexualpraktiken in den Darkrooms ist (wieder) gang und gäbe.

 

Machen wir uns aber nichts vor: eine HIV-Infektion belastet die Gesundheit des Menschen, den sie betrifft, massiv. Und: Warum sich eine chronische Krankheit holen, welche sich ganz einfach vermeiden lässt. Niemand führt sich absichtlich einen Knochenbruch zu, obwohl der ja wieder vollständig abheilt. Aber wegen des kurzen Genusses lebenslang Tabletten zu schlucken, welche erst noch sehr teuer sind, ist es das wirklich wert?

 

Noch ein anderer Aspekt: Vielleicht hat HIV bei uns wirklich seinen tödlichen Schrecken verloren. Aber in andern Ländern sieht das ganz anders aus. Aids ist in Afrika, aber nicht nur dort, nach wie vor ein Thema. Die Medikamente, die bei uns den HIV-Infizierten die Lebensqualität zurück geben, sind in vielen Länder entweder nicht verfügbar oder die Betroffenen können sie sich nicht leisten. Die Menschen sterben an der Krankheit und das oft in erbärmlichen Verhältnissen.

 

HIV-Infizierte leiden zudem in vielen Ländern unter Diskriminierung und Ausgrenzung, ein Thema, das auch bei uns durchaus noch sehr virulent ist. Von vielen HIV-Erkrankten weiss die Umgebung nichts von der Krankheit. HIV ist viel stärker stigmatisiert als eine Krebserkrankung, über die oft auch nicht offen gesprochen wird. Vielleicht ist es an der Zeit, dass sich mehr HIV-positive Menschen zu einem öffentlichen Comingout durchringen, damit jedem und jeder in der Schweiz bewusst wird: Der HIV-Positive, das ist dein Nachbar, deine Nachbarin.

 

Pink Cross, Uwe Splittdorf, Geschäftsleiter, 079 690 58 97

 
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